Login








Noch kein Mitglied?
Registrieren Sie sich hier!

Der Placebo - Effekt.

Suchen



Anzeigen

Der Placebo - Effekt.

Die Pillen ohne Wirkstoff haben oft denselben Effekt wie echte Medikamente - oder eine Arztvisite. Lange von der Schulmedizin als unseriös abgetan, werden sie jetzt rehabilitiert.

Das haben unzählige Studien gezeigt, in denen Schmerzmittel, Antidepressiva oder Blutdrucksenker im Vergleichstest gegen Scheinmedikamente aus Mehl oder Zucker getestet wurden. Die Ergebnisse fallen oft denkbar knapp aus: Geben Ärzte jeweils 100 Patienten eine echte Pille, geht es hinterher beispielsweise 50 von ihnen besser. Bekommt eine andere Gruppe von ebenfalls 100 Patienten mit demselben Leiden ein Placebo, reagieren 40 positiv. Das Präparat mit dem Wirkstoff schlägt also etwas öfter an, doch der Unterschied ist relativ klein.

Ein Plazebobehandlungen sind Behandlungen, ohne dass ein potentiell wirksames Mittel (Arzneimittel, Operation, Psychotherapieverfahren) eingesetzt werden. Statt einer als wirksam erachteten (oder vermuteten) Behandlung werden Scheinbehandlungen mit nachgebildeten Arzneimitteln oder Scheinoperationen eingesetzt, die keine als wirksam erachteten Stoffe oder Manipulationen beinhalten.

Wie wirken Placebos?

Der Patient erwartet, dass es ihm nach Einnahme einer Tablette besser geht. Er ist es so gewöhnt, und er hofft, glaubt daran, dass ihm Arzt und Medikament helfen. Deswegen setzt er seinen inneren Arzt und seine innere Apotheke in Gang.

Die Psyche aktiviert die Biochemie. Das Gehirn befiehlt dem Hypothalamus, Hormone auszuschütten, zum Beispiel bei Kopfschmerzen die Endorphine, die Schmerzstopper oder Hormone, die die Produktion von Immunzellen ankurbeln und so das Immunsystem stärken.

Der Patient aktiviert seine Selbstheilungskräfte - und heilt sich selbst.

Die Schein - Operation.

Nicht nur Medikamente, auch Operationen weisen einen Placebo-Effekt auf. In einem Experiment in Houston in Texas am Baylor College of Medicine bat Moseley neue Patienten, sich an einem außergewöhnlichen, doch ungefährlichen Experiment zu beteiligen. Wer einwilligte, wurde am Tag des Eingriffs in steriler Kleidung in den Operationssaal gerollt. Wenn alles vorbereitet war, öffnete Moseley, für den Kranken unsichtbar, einen versiegelten Brief. Darin stand, ob er tatsächlich operieren sollte. Wenn ja, setzte er die übliche Prozedur fort. So geschah es bei der Hälfte aller Kandidaten - festgelegt durch jene von Ärztekollegen geschriebenen Briefe, um auszuschließen, dass Moseley sich bewusst oder unbewusst nur Kandidaten mit besonders großer Heilchance aussuchte.

Sah das zuvor festgelegte Auswahl-Protokoll keine Operation vor, bekam der Betreffende ein starkes Beruhigungsmittel, und Moseley machte ein paar oberflächliche Schnitte ins Knie, damit hinterher eine Operationswunde zu sehen war. Das Bein wurde ein bisschen gedehnt und gestreckt, schließlich goss ein Assistent Wasser in einen Eimer - es sollte sich so anhören, als würde ein Gelenk ausgespült. Reine Vorsicht für den Fall, dass der Patient doch etwas mitbekäme, weil er ja nicht so tief narkotisiert war.

Nach dem Erwachen schickte Moseley alle Patienten mit einem Mittel gegen den Wundschmerz nach Hause. Niemand erfuhr, was mit seinem Gelenk wirklich geschehen war. Das spielte auch gar keine Rolle: Noch zwei Jahre später waren so gut wie alle Patienten, ob operiert oder nicht, mit dem Eingriff hochzufrieden. Viele, die vorher vor Schmerzen kaum mehr hatten gehen können, liefen wieder munter umher. Bis heute hat Moseley mehr als 180 Kniekranke nach diesem Verfahren behandelt. Seine Untersuchung, abgeschlossen vor wenigen Monaten, ist die größte je unternommene Studie über Scheinoperationen.

Die Placebo - Injektion.

Die Placebo - Injektion.  Kochsalz statt Schmerzmittel.

In einem Experiment werden den Versuchtsteilnehmern ein Medikament verabreicht, das diese für ein Schmerzmittel hielten. In Wirklichkeit handelte es sich beim Inhalt der Injektion um ein pures Placebo: Kochsalzlösung. Doch davon wussten die Patienten nichts, sie glaubten der Versicherung des Arztes. Bereits nach wenigen Minuten begann die Injektion zu wirken: die Patienten fühlten deutlich weniger Schmerz und entspannten sich. Diese Reaktion ist offenbar die Folge einer komplexen Reaktion im Gehirn, die bereits beim Anblick der Injektionsspritze einsetzt: Über den sogenannten Thalamus gelangt das Signal "Spritze" zum Hypothalamus. Dieser schüttet nun weniger Hormone in den Blutkreislauf aus. Die Folge: die Herzfrequenz sinkt, der Patient entspannt sich.