Die Jobsuche
"Wer mit über 50 arbeitslos wird, hat nur halb so gute Chancen auf einen neuen, angemessenen Job, wie ein jüngerer Arbeitsuchender", sagt Knuth. Das liegt auch daran, dass die Unternehmen eine sehr zwiespältige Sicht auf ältere Arbeitskräfte haben. Einerseits glauben sie, dass ältere zuverlässiger und fachkundiger sind als jüngere Mitarbeiter. Andererseits stellen aber nur sehr wenige Unternehmen ältere Arbeitslose ein. Bei einer Umfrage des IAT gaben nur 54 Prozent der Betriebe an, älteren Bewerbern uneingeschränkt gleiche Chancen einzuräumen wie jungen.
Ältere Mitarbeiter sind teurer als ihre jungen Kollegen. Diesen Nachteil müssen sie durch Fachwissen und soziale Kompetenz ausgleichen. Woher soll ein Unternehmen wissen, ob ein Bewerber die höhere Investition wert ist? Diese Frage gilt es schon in der Bewerbung zu beantworten.
Richtig bewerben ab 50
"Viele ältere Arbeitslose haben sich zuletzt vor 20 Jahren beworben. Die wissen gar nicht mehr, wie das heute gemacht wird", sagt Knuth. Bei diesem ersten Schritt zum neuen Job sollten sich Arbeitslose unterstützen lassen. Ob die Arbeitsagentur oder ein privater Berufsberater hilft, ist nicht so wichtig. Aber es sollte jemand sein, der sich mit den Problemen älterer Arbeitssuchender auskennt und die Bewerbungsstrategie dementsprechend aufbaut. Neben hoher Fach- und Sozialkompetenz bringen ältere Bewerber mehr Flexibilität mit. Da die Kinder meist erwachsen sind und auch sonst weniger private Verpflichtungen sie binden, pendeln ältere Arbeitnehmer bereitwilliger und nehmen eher längere Geschäftsreisen auf sich. "Das ist aber vielen Unternehmen nicht bewusst, weil ihnen die Erfahrung mit älteren Mitarbeitern fehlt", sagt Knuth. Und obwohl große Unternehmen selten ältere Menschen einstellen, bewerben diese sich hauptsächlich dort. Dabei sind die Aussichten bei kleinen und mittelständischen Betrieben besser, weil sie auf das Know-how erfahrener Fachkräfte nicht verzichten können."Sie beklagen aber, dass sich kaum ältere Menschen bei ihnen bewerben", sagt Knuth. Ältere Arbeitslose können diese Chance nutzen, indem sie gezielt kleinere Unternehmen ansprechen.
Bildung ist die halbe Stelle
"Die Firmen wissen, dass die heutige Generation der 50 bis 60-Jährigen meist hoch qualifiziert ist", sagt Knuth. Für weniger gut ausgebildete Arbeitslose, oder solche mit so genannten Knicken im Lebenslauf, können Fortbildungen nutzen. Ob sich die Jobchancen so verbessern, hängt davon ab, welche neuen Fachkenntnisse vermittelt werden und wie gesucht diese auf dem Arbeitsmarkt sind. "Ein Computerkurs, in dem Grundkenntnisse unterrichtet werden, ist meistens nicht so sinnvoll. Es muss spezieller sein", meint Knuth. Um die richtige Weiterbildung zu finden, müssen Arbeitslose deshalb selbst aktiv werden.
Nützliche Fragen zur Weiterbildung
Auf welche Stellen möchte ich mich bewerben?
Welche Aufgaben möchte ich wahrnehmen?
Welche Weiterbildung bereitet mich optimal darauf vor?
Diese Fragen können nützlich sein, um die richtige Weiterbildung zu finden. "Der gesamte Arbeitssuchprozess sollte in eine Strategie eingebettet sein. Die Weiterbildung muss diese ergänzen", sagt Knuth.



