Gentest weist Prostatakrebs zuverlässiger nach.
DKFZ-Forscher entwickeln neue Nachweismethoden Heidelberg (pte/13.06.2008/13:55) - Um der häufigsten Krebsart bei Männern, den Prostatakrebs, wirksam entgegenzutreten, muss die Erkrankung bereits im Frühstadium erkannt werden. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) www.dkfz.de haben jetzt gemeinsam mit Medizinern der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein neues Verfahren entwickelt, das dabei helfen könnte, Tumore in der Prostata zuverlässiger zu erkennen. Der neue Test gründet darauf, dass bestimmte Gene im Prostata-Gewebe von Krebspatienten anders abgelesen werden als bei gesunden Männern, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "European Urology."
Bisher wird bei Männern bei der Krebsvorsorgeuntersuchung die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut untersucht. "Wenn dieser Wert erhöht ist, entnimmt der Mediziner Gewebeproben (Biopsien) aus der Prostata und überprüft sie auf Krebszellen", erklärt der Forschungsleiter Holger Sültmann von der Abteilung Molekulare Genomanalyse am DKFZ, gegenüber pressetext. "Da die Größe und die räumliche Lage des Tumors zunächst oft unbekannt sind und die feine Biopsienadel den Tumor häufig verfehlt, ist das Ergebnis sehr oft ungenau." In etwa 30 Prozent der Krankheitsfällen bleibe der Krebs unerkannt.Das Forscherteam um Sültmann hat sich daher auf die Suche nach einem zuverlässigeren Test für Prostatakrebs gemacht. "Ansatzpunkt dafür war die Frage, ob im Prostata-Gewebe von gesunden Männern eine andere Gen-Aktivität vorherrscht als im normalen (also tumorfreien) Prostata-Gewebe von Krebspatienten." Die Forscher zogen zur Untersuchung Prostata-Biopsien von 114 Männern heran. Insgesamt konnten sie durch die Microarray-Technologie fünf Gene finden, die bei Gesunden und Krebskranken deutlich unterschiedlich abgelesen werden. "Die Aktivität dieser Gene zeigt an, ob sich in der Prostata ein Tumor gebildet hat - und zwar unabhängig davon, ob die Gewebeprobe Tumorzellen enthält oder nicht", erklärt der Forscher. Möglicherweise kann man Prostata-Tumore mit solchen genetischen Tests wesentlich verlässlicher nachweisen als das bisher möglich war. "Ehe dieser Test in der Klinik zur Anwendung kommen wird, wird es allerdings noch ein paar Jahre dauern", meint Sültmann. Einerseits sei die Zulassung von diagnostischen Tests sehr langwierig, andererseits müsse man die Genauigkeit und Treffsicherheit der Methode nachweisen. In den kommenden drei Jahren werden die Forscher allerdings 3.000 Biopsien unter die Lupe nehmen. "Mit unseren Partnern in Hamburg sind wir derzeit dabei, sie in weiteren Studien zu überprüfen."Prostatakrebs manifestiert sich oft im fortgeschrittenen Alter, meist jenseits der 50. Etwa jeder zehnte Mann ist betroffen. In Deutschland wird jährlich bei mehr als 58.000 Männern ein Prostata-Tumor diagnostiziert, etwa 12 000 Männer sterben jedes Jahr daran. Eine Heilung gelingt meist nur im Frühstadium der Krankheit. Deshalb ist es wichtig, die Störung rechtzeitig zu erkennen, berichtet das DKFZ. "Wir können Betroffenen nur raten, den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums zu nutzen", meint Stefanie Seltmann, von der DKFZ-Öffentlichkeitsarbeit im pressetext-Gespräch. Hier erfahre man auch die neuesten Anwendungen. (Ende) ![]()



